|
Nachdem der Frühling den ersten grandiosen und verschwenderischen Auftritt
auf der Bühne des Gartenjahres hatte, räumt er ganz selbstlos und
unspektakulär den Platz für den nächsten Hauptdarsteller, den Sommer. Wie
lange war da schon die Vorahnung, welche Fülle und Wuchskraft den Frühling
unweigerlich beiseite schieben würde. Erst war es nur das frische Grün,
das wieder Räume schafft im Garten, die Kulisse für den folgenden Akt. Und
quasi über Nacht folgt eine Blütenpracht, die so aus dem Vollen schöpft,
das es fast unwirklich erscheint. Doch freuen wir uns an der Üppigkeit,
den Gerüchen, die uns durch den Garten ziehen, von der Rastlosigkeit
getrieben, nicht eine Schönheit unbeachtet zu lassen. Wie schmeichelt
unseren Sinnen jetzt die Rose mit ihren unzähligen wunderschönen Blüten
und den verlockenden Düften, wenn die Mittagshitze über den Beeten flirrt.
Wie beglückt uns zu sehen, auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge tanzen
vor Freude von Blüte zu Blüte. Nun hat auch der Gärtner viel zu tun, muss
stets und ständig Stauden von Verblühtem befreien, um der zweiten Riege in
Wartestellung auch zu ihrem Recht zu verhelfen. Aber wer wollte sich
beschweren, erfreuen wir uns der schönsten Zeit des Jahres, die von keinem
Urlaub in auch noch so exotischen Ländern zu toppen ist. Genuss ist
angesagt, den uns nur das Leben im Garten bereiten kann. Denn aus
Erfahrung wissen wir, der zweite Akt geht schnell vorbei und beim nächsten
Vorhang schmückt sich die Bühne wieder mit ganz anderen Akteuren!
|